Das Kung Fu Training

sifu 01Das Kung Fu Training besteht neben der obligatorischen Aufwärmgymnastik und dem Technik-, Freikampf-, Konditions- und Krafttraining zu einem Großteil aus sogenannten Formen. Die Formen, mit oder ohne Waffen, stellen einen Kampf gegen imaginäre Gegner nach und sind der Grundpfeiler eines jeden traditionellen Kung Fu Stils. Die Formen sind vergleichbar mit einem Nachschlagewerk, in dem alle wichtigen Elemente des Stils enthalten sind. Sie werden daher unverändert über Generationen vom Meister zum Schüler weitergegeben, um das Wissen um die speziellen Techniken zu sichern. Durch das Ausführen der Formen kann man sich sowohl körperlich als auch mental auf Kampfsituationen vorbereiten. Sie verbessern Beweglichkeit, Kraft, Atmung, Schnelligkeit und Koordination. Aus diesen Gründen hat das Formentraining auch im Stil des Hung Choy Kung Fu (Zhou Jia Quan) einen hohen Stellenwert.

Beim Hung Choy Kung Fu (Zhou Jia Quan) beginnt der Schüler mit der Grundschule, in der grundlegende Stellungen und Bewegungen erlernt werden. Danach befasst sich das Training zunächst mit einigen der traditionellen Handformen. Als Fortgeschrittener wird ihm der Umgang mit den traditionellen Kung Fu Waffen wie z.B. Stock, Säbel, Messer u.s.w. vermittelt. Von seinem Sifu lernt der Schüler dabei nach und nach das Entschlüsseln der Formen und somit das Lesen in der 'Bibliothek' des Stils.


Die Tradition im chinesischen Kung Fu

sifu 02Seit ihren Ursprüngen sind die chinesischen Kampfkünste verknüpft mit überlieferten Regeln und Prinzipien, die in traditionellen Kung Fu Schulen seit je her gepflegt werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Mitmenschen, insbesondere aber der Respekt vor den Ahnen, den Meistern, Lehrern und Mitschülern spielt dabei eine zentrale Rolle. Das äußert sich in bestimmten Regeln bezüglich Etikette und Verhalten, die die Schüler zu beachten haben.

Jeder, der Kung Fu erlernen möchte, wird so zunächst auf seine charakterlichen Eigenschaften geprüft und unterwiesen, bevor man ihn in die Geheimnisse der Kunst einweiht. Die körperliche soll mit der charakterlichen Weiterentwicklung einhergehen und den Schüler so zu einem besseren Menschen machen, der sein Wissen und Können verantwortlich einsetzen kann.

Ein weiterer Unterschied zu anderen Sportarten und anderen Kampfkünsten ist die Familienstruktur im traditionellen Kung Fu. Sie stammt aus einer Zeit, als Kung Fu tatsächlich nur vom Vater zum Sohn weitervererbt wurde. Wollte ein Außenstehender bei einem fremden Meister lernen, so wurde er quasi als Adoptivsohn in die Familie des Meisters aufgenommen mit der Verpflichtung, die Familienkunst zu wahren. Heutzutage wird ein Neuling gemäß dieser Tradition in der Kung Fu Schule als Jüngste(r) Bruder / Schwester in die Familie aufgenommen. Für alle, die nach ihm / ihr anfangen, ist er / sie der ältere Bruder / die ältere Schwester.